Freemask – ein Erfahrungsbericht

Vielen wissen es schon, seit Januar diesen Jahres haben wir auch das Hensel Freemask System in unseen Rent Katalog mit aufgenommen. Das Freemask System ist die schnellste und exakteste Lösung, um passgenaue und homogene Freistellmasken im Studioalltag zu erzeugen. Übrigens: Die neuen FREEMASK Blitzgeräte können auch für den normalen Betrieb genutzt werden, wenn keine Freistellarbeiten gefordert sind.

Die Geräte werden momentan sehr oft verliehen, umso mehr ein Grund einen Testbericht aus der Praxis verfassen zu lassen. Dirt Dick hat mit seinem Team die Geräte im harten Alltag getestet und seinen Bericht möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten. Here we go:

Die Aufgabe der Fotoagentur Friese bestand darin, auf dem Messestand des Auftraggebers dessen Kunden mit Schauspielerdoublen vor einem neutralen Hintergrund zu fotografieren. Durch eine anschließende Postproduction wurden die Personen freigestellt und in ein anderes Foto (mit einem Himmel als Hintergrund) montiert. Abschließend wurde das bearbeitete Bild ausgedruckt und dem Kunden als Give-away überreicht. Da unsere Aufgabenstellung einen schnellen und effektiven Workflow in der Postproduction erforderte, kam für unsere Zwecke das Hensel Freemask-System zum Einsatz. Das technische Prinzip ist so einfach wie genial: mit zwei schnell aufeinanderfolgenden Aufnahmen (mittels Serienbildfunktion der Kamera) entstehen 2 unterschiedliche Ausbelichtungen des selben Motivs. Mit der ersten Aufnahme zünden die beiden hinteren Blitze für die Hintergrundausleuchtung, während bei der zweiten ausschließlich die vorderen Blitze für die Beleuchtung der Personen zum Einsatz kommen. Mit dem ersten Bild entsteht (idealerweis) eine schwarze Silhouette der Person vor einem homogen ausgeleuchteten Hintergrund. Mit diesem kontrastreichen Bild lässt sich schnell und problemlos in Photoshop eine Maske erstellen, die als Vorlage für eine Freistllung der Personen im zweiten Bild dient.
Insgesamt hatten wir also 4 Blitzköpfe im Einsatz – 2 für die Hintergrund- und 2 für die Personenausleuchtung. Erreicht wird das versetzte Blitzen durch die Ansteuerung unterschiedlicher Kanäle bei 2 aufeinander folgenden Shots: zu dem henselüblichen C-Kanal kommt zusätzlich ein F-Kanal für die Hintergrundblitze.

Die fotografische Realisierung steht und fällt mit dem zur Verfügung stehenden Platz. Im Trockenversuch (im Studio) hat es genau so funktioniert, wie von Hensel beschrieben: mit wenig Umgebungslicht (kleine Blende bei kleiner ISO-Zahl) und 3 Metern Abstand zum Hintergrund hatten wir tiefschwarze Silhouetten der fotografierten Person. Diese konnten mittels eines Photoshopworkflows – den ich zuvor als Aktion angelegt habe – mit einem Mausklick freigestellt werden.
Hensel-Freemask war 100%ig zuverlässig – es gab nicht eine Fehlzündung oder technische Panne.
Ernüchternd war dann die Praxis: unser Kunde hat auf seinem Messestand nicht 3 x 6 Meter für uns reserviert (wie eigentlich schriftlich mit ihm vereinbart), sondern schlappe 2,50 x 4 Meter. Dies führte dazu, dass von der weißen Hintergrundwand reflektierende Lichter auf die Konturen der Personen einstrahlten. Da wir in der Breite auch nicht genug Platz hatten, konnten wir auch keine seitlichen Abschatter positionieren, um die unerwünschten Reflexionen zu mildern. Weiteres Dilemma: wir mussten mit 28 bis 30mm Brennweite fotografieren (bei 2 Meter Abstand zwischen Hintergrund und Personen blieben uns noch weitere 2 Meter Nähe zu den Leuten), was für Portraits schon hart an der Grenze war.

Wir haben dann die ersten Stunden ausschließlich mit Workarounds und Troubleshooting (oh, welch schönes Wortspiel) verbracht, um in den darauf folgenden 3 Tagen eine gute Arbeit abzuliefern. Da wir früh genug vor Ort waren, konnten wir unseren Fotojob dennoch erfolgreich umsetzen. Während mein Kollege fotografierte, habe ich mir in der Postproduction einen Wolf freigestellt – weil der zuvor definierte Workflow nicht mehr praktikabel war. Ich habe noch nie in meinem Leben so im Akkord gearbeitet – statt veranschlagter 20 Sekunden für eine Freistellung kam ich auf durchschnittlich satte 5 Minuten.
Fazit: die von Hensel erklärten Voraussetzungen müssen zu 100% erfüllt sein, damit das Freemask-System sinnvoll eingesetzt werden kann. Dass die Voraussetzungen am Ende nicht erfüllt waren, ist natürlich kein Verschulden der Firma Hensel. Im Gegenteil: eine so gute, detaillierte Dokumentation und der prompte Support sind vorbildlich.

Im Gesamtergebnis hat – wie gesagt – die Hensel-Technik einwandfrei funktioniert und überzeugt.
Noch ein wichtiger Aspekt, auf den auch selbst Hensel hinweist: die Kamera sollte mit der höchsten Speedeinstellung 10 Bilder pro Sekunde liefern. Mit der Canon 1D Mark III ist das kein Problem. Mit der von uns eingesetzten Nikon hingegen, die mit 4 Bildern pro Sekunde ausgereizt ist, führte das gelegentlich zu “Maskenverschiebungen” in der Freistellung, wenn sich die Personen zwischen den 2 Aufnahmen bewegt haben. Hier reichten auch leichte Bewegungen eines Kopfes aus, was die Freistellung zusätzlich erschwerte.

Meine Tipps für Freemask-Nutzer:

+ Prüfen, ob die von Hensel dokumentierten Voraussetzungen zu 100% erfüllt sind: mindestens 3 Meter zwischen Personen/Objekt und Hintergrund
+ Idealerweise eine Ortsbegehung zum Checken der Ausgangslage durchführen
So wenig wie möglich Umgebungslicht: kleine Blende bei geringer Filmempfindlichkeit
+ Eine Kamera mit bis zu 10 Auslösungen pro Sekunde
+ Die Personen sollten sich während der 2 Aufnahmen nicht bewegen
+ Wenn die Voraussetzungen erfüllt sind – mit dem Ergebnis von schwarzen Silhouetten der fotografierten Objekte -, ist der von Hensel beschriebene Photoshopworkflow die effektivste Lösung zum Freistellen; siehe:
http://www.hensel.eu/fileadmin/Hensel_Medien/Downloads/freemask/Bildbearbeitung_Photoshop_Freemask.pdf

Verfasser des Artikels: Dirk Dick
Fotografie: Dieter Friese, Fotoagentur Friese

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